Ortsgeschichte Lehningen

Nach einem Schenkungsbuch des Klosters Hirsau existierte bereits um das Jahr 1000 ein hier ansässiger Ortsadel, der in einem weiteren schriftlichen Nachweis des Klosters Herrenalb vom Jahre 1272 als "Herren von Loningen" erwähnt wird.
Postkarte aus Lehningen um 1920

Lehningen liegt südöstlich von Pforzheim am Rande des Altsiedellandes gegenüber dem lange Zeit unerschlossenen Schwarzwald und wurde als wohl einer der spätesten Orte mit "-ingen-Endung" von Merklingen aus gegründet. Die erste überlieferte urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1272
an lässlich einer Schenkung der Witwe Werners von "Loningen" an ihren Sohn Konrad beim Eintritt in das Kloster Herrenalb. Der örtliche Niederadel erlosch im 15. Jahrhundert beziehungsweise ging in der Bürgerschaft von Weil der Stadt auf. Der Flurname "Burgheide" weist eventuell auf eine abgegangene
Burg hin. Nachdem die Herren von Stein bereits 1407 den größten Teil ihrer Besitzungen an Dietrich V. von Gemmingen, der einer Nebenlinie eines Rittergeschlechts aus dem gleichnamigen Ort im heutigen Landkreis Heilbronn entstammt, verkauft hatten, gelangten durch einen Teilungsvertrag im Jahr 1425 auch die Orte Lehningen und Neuhausen in gemmingischen Besitz. Im Jahr 1439 erwarb Markgraf Jakob I. von Baden die Orte Lehningen und Neuhausen von Dietrich VI. von Gemmingen, der diese 1461 mit dem Schloss Steinegg als Verwaltungssitz wieder zu Lehen erhielt. Nach einer Verpfändung der Orte Lehningen, Neuhausen und Mühlhausen an das Kloster Herrenalb erwarb Dietrich VIII. von Gemmingen um 1480 die Dörfer wieder zurück. Lehningen zählte damit für Jahrhunderte mit sieben weiteren Dörfern (Hamberg, Hohenwart, Mühlhausen, Neuhausen, Schellbronn, Steinegg und Tiefenbronn) zu dem von seiner Umgebung weitgehend abgesonderten Gemmingischen Gebiet, dem sogenannten "Biet". Die Sonderstellung rührte auch daher, dass diese Dörfer mit ihrer Ortsherrschaft katholisch blieben, während die umliegenden badischen und württembergischen Orte während der Reformation evangelisch geworden waren. Dietrich VIII. und Otto der Jüngere teilten 1518/19 die Herrschaft Gemmingen-Hagenschieß nach
dem Tode Dietrichs VII. in die beiden Linien Gemmingen-Steinegg-Tiefenbronn (Dietrich) und die Lehningen zugehörige Linie Gemmingen-Heimsheim-Mühlhausen (Otto). Im 17. Jahrhundert hinterließen der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wie auch der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) auch in
Lehningen Spuren: dezimierte Bevölkerungszahlen, verwüstete Äcker und Felder. Nach weiteren Aufspaltungen und Vereinigungen führte Julius von Gemmingen als Reichsfreiherr von Gemmingen-Hagenschieß ab 1805 die drei Linien Tiefenbronn, Steinegg und Mühlhausen wieder in einer Hand.

Ein langwährender Zwist um Reichsunmittelbarkeit der von Gemmingen beziehungsweise landesherrliche Ansprüche der Markgrafen von Baden wurde erst im Zeitalter der Napoleonischen Neuordnung der politischen Verhältnisse im deutschen Südwesten entschieden und das Gemmingische Gebiet dem
Großherzogtum Baden zugeschlagen. Dieses beschnitt nach und nach auch die der Grundherrschaft belassenen Steuerrechte. Julius von Gemmingen siedelte 1834/35 nach Stuttgart über und seine Söhne Eduard und Gustav sahen sich im Jahr 1839 zum endgültigen Verkauf ihres gesamten Besitzes an das
Großherzogtum Baden gezwungen. Seitdem war Lehningen eine vollständig zum badischen Bezirksamt beziehungsweise ab 1939 zum Landkreis Pforzheim gehörige Gemeinde.

Missernten in den 1850er-Jahren führten zu großer Not, zumal das Dorf mit damals rund 340 Einwohnern fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebte. Mit der aufsteigenden Industrie der Stadt Pforzheim verbesserte sich die wirtschaftliche Lage wieder und zahlreiche Pendler traten täglich den Weg nach Pforzheim und zurück an. Die schlechte Verkehrsanbindung allerdings bewirkte den Wegzug vieler Menschen und im Jahr 1939, als die Einwohnerzahl nur noch 237 betrug, war das Dorf noch immer kleinbäuerlich geprägt. Im April 1945 gab es durch den Beschuss der Allierten nicht nur beschädigte Gebäude, sondern auch je sechs tote Zivilisten und Soldaten zu beklagen. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen stieg die Bevölkerungszahl von 342 Einwohnern im Jahr 1950 auf 432 im Jahr 1970 wieder an und machte die Erschließung von Baugebieten seit den 1960er-Jahren notwendig. Im Zuge der Gemeindereform ist Lehningen seit 1. Januar 1972 Ortsteil der Gesamtgemeinde Tiefenbronn und gehört seit 1973 dem neugebildeten Enzkreis an. Bei der Eingemeindung lebten 545 Menschen in Lehningen, die Bevölkerungszahl beträgt heute 1047.

Die katholische Kirche Sankt Ottilien in Lehningen wurde um 1500 im gotischen Stil erbaut. Die katholische Gemeinde war jedoch bis 1929 der Pfarrei Neuhausen zugehörig und ist seitdem nach Mühlhausen eingepfarrt. Als im Jahre 1823 Julius von Gemmingen mit dem katholischen Mühlhauser
Pfarrer Alois Henhöfer zum Protestantismus übertrat, folgten ihnen auch zahlreiche Gläubige aus Lehningen. Das alte Gemmingische Schloss in Mühlhausen diente als evangelischer Kirchen- und Schulsaal sowie als Pfarr- und Lehrerwohnung. Einen eigenen Friedhof erhielt Lehningen erst 1843, davor
fanden die Beerdigungen in Neuhausen statt.

Ausführlichere Angaben zur Ortsgeschichte der Gemeinde Lehningen bietet "Das Buch vonTiefenbronn" von Hubert Lindner sowie die in der ortsgeschichtlichen Sammlung befindliche Ortschronik.