Ortsgeschichte Mühlhausen

Nach einer alten Mühle benannt, wird Mühlhausen erstmals urkundlich um 1105 im Schenkungsbuch des Klosters Hirsau erwähnt. Die Gegend von Mühlhausen gehörte zum Würmgau, kirchlich zum Bistum Speyer.
Postkarte aus Mühlhausen um die Jahrhundertwende

Das Dorf Mühlhausen, südöstlich von Pforzheim gelegen, ist als Ausbauort der Merowingerzeit von Heimsheim her gegründet worden. Die erste überlieferte urkundliche Erwähnung im Schenkungsbuch des Klosters Hirsau datiert auf das beginnende 12. Jahrhundert: Um 1100 wird darin ein Wolfram de Mulhusen
als Zeuge genannt. Die Vornamen Zeisolf und Wolfram des Ortsadels sind vielleicht durch Beziehungen zu den Kraichgaugrafen erklärbar. Um 1150 unterstand das Dorf den Herren von Stein zu Steinegg und gelangte im Jahr 1407 in die Herrschaft der von Gemmingen, einem Rittergeschlecht, dessen Name von einem gleichnamigen Ort im heutigen Landkreis Heilbronn herrührt. Dietrich V. von Gemmingen erwarb von Jakob von Stein das Dorf Mühlhausen neben anderen Gütern und Rechten. Sein Sohn Dietrich VII. von Gemmingen verkaufte 1439 an Markgraf Jakob I. von Baden seinen Besitz und erhielt ihn 1461 wieder als Lehen. Nach einer Verpfändung der Orte Mühlhausen, Lehningen und Neuhausen an das Kloster Herrenalb wurden die Pfandrechte um 1480 wieder an die Herrschaft von Gemmingen abgetreten. Mühlhausen zählte damit für Jahrhunderte mit sieben weiteren Dörfern (Hamberg, Hohenwart, Lehningen, Neuhausen, Schellbronn, Steinegg und Tiefenbronn) zu dem von seiner Umgebung weitgehend abgesonderten Gemmingischen Gebiet, dem sogenannten "Biet". Diese Sonderstellung rührte auch daher, dass die Herrschaft von Gemmingen katholisch blieb, während die umliegenden badischen und württembergischen Orte mit der Reformation evangelisch wurden. 1518 schied sich die Linie Gemmingen-Hagenschieß nach dem Tode Dietrichs VII. in die beiden Linien Steinegg-Tiefenbronn unter Dietrich VIII., und Heimsheim-Mühlhausen unter Otto dem Jüngeren. Eine weitere Aufspaltung in die Häuser Tiefenbronn und Steinegg trat mit dem Tod Dietrichs VIII. im Jahr 1547 ein. Im 17. Jahrhundert hinterließen der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) auch in Mühlhausen Spuren: dezimierte Bevölkerungszahlen, verwüstete Äcker und Felder. Hohe Kosten verursachten die Truppendurchmärsche und Einquartierungen. Ab 1796 waren hohe Kriegskontributionen und Naturalrequisitionen an französische wie an österreichische Truppen zu leisten.

1745 endete die Linie Steinegg mit dem Tode Karl Dietrichs des Jüngeren und das Erbe fiel der Linie Tiefenbronn zu. Nach dem Aussterben dieser Linie mit dem Tod des Franz von Gemmingen-Tiefenbronn 1797 übernahm Karl-Josef von Gemmingen-Mühlhausen das Gebiet. Dessen Sohn, Julius von Gemmingen, vereinigte unter dem Titel Reichsfreiherr von Gemmingen-Hagenschieß 1805 die drei Linien Tiefenbronn, Steinegg und Mühlhausen wieder in einer Hand.

Der langwährende Streit der die Reichsunmittelbarkeit beanspruchenden Herren von Gemmingen mit den Markgrafen von Baden um deren landesherrlichen Ansprüche wurde erst im Zeitalter der Napoleonischen Neuordnung der politischen Verhältnisse im deutschen Südwesten entschieden und das Gemmingische Gebiet dem Großherzogtum Baden eingegliedert. Nach und nach beschnitt dieses die der Grundherrschaft zustehenden Steuerrechte. Julius von Gemmingen siedelte 1834/35 nach Stuttgart über und seine Söhne Eduard und Gustav sahen sich im Jahr 1839 zum endgültigen Verkauf ihres gesamten
Besitzes an Baden gezwungen. Seitdem war Mühlhausen eine vollständig zum Bezirksamt beziehungsweise ab 1939 zum Landkreis Pforzheim gehörige Gemeinde.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war vom Niedergang der Landwirtschaft und des Handwerks, von Missernten und Teuerung geprägt. Erst mit der aufsteigenden Industrie der Stadt Pforzheim in den 1850er Jahren verbesserte sich auch die wirtschaftliche Lage des Ortes und die ersten "Pendler" traten ihren täglichen Weg nach Pforzheim und zurück an. Die Bevölkerungszahl bewegte sich im 19. Jahrhundert - mit einem Höhepunkt in den 50er-Jahren mit knapp 600 Einwohnern - um die 400 bis 500.2 Arbeitsplätze am Ort schuf die Ansiedlung einer Filiale der Pforzheimer Firma Kollmar und Jourdan in der unteren Mühle im Jahr 1900 und 1906 dle Gründung der Firma Köhle und Wild in Mühlhausen. Doch schlechte Verkehrsanbindung und Rezession, vor allem in der Schmuckindustrie, bewirkten den Rückgang der Wirtschaft und den Wegzug vieler Arbeiter. Das Dorf blieb kleinbäuerlich geprägt. Ab 1890 sorgte ein Pferdefuhrwerk und ab 1908 die Privatautolinie von Fabrikant Köhle für die Verbindung mit Pforzheim und Umgebung. 1896 wurde die Wasserversorgung durch den Bau eines Wasserleitungsnetzes verbessert.

Durch den Beschuss der Alliierten im April 1945 waren nicht nur beschädigte Häuser und Verletzte, sondern auch fünf Tote unter der Zivilbevölkerung zu beklagen. Mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen stieg die Einwohnerzahl von etwa 430 Einwohnern im 1939 nach dem Krieg wieder auf 675 (1950) an und
die Erschließung von Baugebieten schuf dringend benötigten Wohnraum. Im Zuge der Gemeindereform vereinigte sich die Gemeinde Mühlhausen zum 1. Januar 1972 mit den Nachbargemeinden Lehningen und Tiefenbronn zur Gesamtgemeinde Tiefenbronn, die seit 1973 dem neu geschaffenen Enzkreis angehört. Bei der Eingemeindung lebten 979 Menschen in Mühlhausen, die heutige Bevölkerungszahl beträgt rund 1600.

Urpfarrei für Mühlhausen war Merklingen, noch im 16. Jahrhundert zählte das Dorf zur Pfarrei Heimsheim. Die katholische Kirche Sankt Alexander aus dem 15. Jahrhundert beherbergt im Chor das Epitaph Hans Dietrichs von Gemmingen und dessen Gemahlin. An der Straße nach Tiefenbronn befindet sich die
Marienkapelle, bereits im 17. Jahrhundert an Stelle einer älteren baufälligen Kapelle errichtet, und, nach ihrer Zerstörung, Anfang des darauffolgenden Jahrhunderts wieder aufgebaut. Die Dreifaltigkeitskapelle steht seit 1710 an der Straße nach Lehningen und Steinegg. Das katholische Pfarrhaus wurde im Jahr 1804 errichtet. Seit 1929 ist Lehningen eingepfarrt.

Im Jahre 1823 traten Julius von Gemmingen und der katholische Mühlhauser Pfarrer Alois Henhöfer zum Protestantismus über. Ihnen folgte ein Drittel der Bevölkerung Mühlhausens. Von Gemmingen stellte Räume im alten Schloss für einen Kirchensaal, einen Schulsaal sowie für die Pfarr- und Lehrerwohnung
zur Verfügung. Bereits 1829/30 konnte, vor allem durch Kollekten finanziert, eine evangelische Kirche errichtet werden. Nach Mühlhausen sind die evangelischen Gemeinden der Orte Hamberg, Lehningen, Neuhausen, Steinegg und Tiefenbronn eingepfarrt.

Mit dem Bau des alten beziehungsweise des unteren Schlosses in den Jahren 1551 bis 1553, verlegte Hans Dietrich von Gemmingen seinen Sitz von Heimsheim nach Mühlhausen. Diese Tiefburg, 1930 renoviert, beherbergt heute das evangelische Pfarrhaus und einen Gemeindesaal. Das neue oder auch obere Schloss, 1791 er- und 1835 umgebaut, wurde 1876 von der Gemeinde erworben und als Schul- und Rathaus, Lehrerwohnung und Kinderschule genutzt. Bis 1906 war darin neben der öffentlichen Volksschule auch die evangelische Privatschule untergebracht. Heute gibt es keine Schule mehr im Ort; seit 1982 werden die Grundschüler in Tiefenbronn unterrichtet. Die Räume des neuen Schlosses nutzen seit dem Umbau Anfang der 1990er-Jahre der Kindergarten, die Freiwillige Feuerwehr und die örtlichen Vereine.

Ausführlichere Angaben zur Ortsgeschichte der Gemeinde Mühlhausen bietet "Das Buch von Tiefenbronn" von Hubert Lindner sowie die in der ortsgeschichtlichen Sammlung befindlichen Chroniken.